Jan Zweyer

Der dritte Mann

Der Zugang zur Kanalisation
Das Bild zeigt den Eingang zur Kanalisation
Hierhin flüchtete Harry Lime
Das Bild zeigt die Kanalisation

Auf den Spuren des dritten Mannes

Krimi- und Filmfreunde kennen den schwarz-weiß Streifen aus der Wiener Nachkriegszeit natürlich: Der dritte Mann, 1949 gedreht von Carol Reed. Das Drehbuch basiert auf einer Erzählung von Graham Greene. Erst später arbeitete Greene die Erzählung zu einer Novelle um. Die Filmmusik, die auf einer Zither gespielt wurde, komponierte Anton Karas. Weitere Infos über den dritten Mann gibt es bei Wikipedia.

Seit einiger Zeit bietet die Stadt Wien Führungen durch die Kanalisation auf den Spuren des Films an. Was lag also näher, auch auf der Criminale 2008 zwei Lesungen an den Original- schauplätzen des Films zu veranstalten.

In einer sehens- und lesenswerten Dokumentation der Stadtbibliothek Wien wird ein Zeitschriftenartikel aus dem Jahr 1950 zitiert.
Dort schreibt Senatsrat Dipl.-Ing. Hans Stadler über den Ort, an dem im Film Harry Lime gestellt und erschossen wird:

"Es ist dies das Vereinigungsbauwerk des Ottakringer-Bach-Kanales (Profil 1,74/ 2,05 m) und seines Entlastungskanales (Profil 1,60/1,90 m), die unter dem Getreidemarkt verlaufen, mit linken Wienfluß-Sammelkanal (Profil 1,94/2,20 m) an der Kreuzung mit der Friedrichstraße nächst der Sezession. Der Einstieg hierzu liegt in der Parkanlage um das Girardidenkmal. Im Wienfluß-Sammelkanal ist ein mächtiger, 15 m langer Regenüberfall zum Wienfluß eingebaut. Er tritt nur, wie alle Regenauslässe, bei starkem Regen in Tätigkeit, wenn das Kanalwasser so weitgehend verdünnt ist, daß es ohne sanitären Schaden dem Wienfluß zugeleitet werden kann."

Genau an dieser Stelle hatte ich die Ehre, als erster Schriftsteller überhaupt in der Wiener Kanalisation vor rund 25 Zuschauern (mehr passten nicht in die Kammer) aufzutreten.

Wie es war? Warm. Dunkel. Und ...

Nun ja, es roch nicht besonders gut. Wer hat schon gerne Fäkaliengeruch verbunden mit dem malzhaltiger Abwässer einer nahe gelegenen Brauerei in der Nase?

Aber ganz so schlimm, wie es sich anhört, war es nun auch nicht. Und welcher Krimiautor kann schon für sich in Anspruch nehmen, als Erster auf den Spuren des dritten Mannes gelesen zu haben?

Nicht sehr anheimelnd, oder?
Das Bild zeigt die Wiener Kanalisation
Auch nicht viel besser
Das Bild zeigt die Wiener Kanalisation