Jan Zweyer

Persilschein

Das Bild zeigt das Cover von Persilschein

Persilschein
Grafit-Verlag Dortmund 2011
ISBN 978-3-89425-615-9
320 Seiten; Preis 11,00 €
auch als E-Book lieferbar

Persilschein

Dritter Band der Goldstein-Trilogie

Das war es nun. Der dritte und letzte Teil der Goldstein-Trilogie liegt vor. Er spielt im Herbst 1950 in der jungen Bundesrepublik.
Viele alte Nazis haben erstaunlich schnell wieder Karriere gemacht und ihre Pfründe nahtlos in die neue, häufig trotzdem ungeliebte Demokratie gerettet.
Einige werden von der Justiz wegen ihrer Verbrechen gesucht und manche von ihnen finden einen sicheren Zufluchtsort unter den Fittichen amerikanischer Geheimdienste. Der Koreakrieg tobt. Und in Europa zieht am Horizont der Kalte Krieg herauf. Da ist es gut, wenn man sich rechtzeitig die Dienste der „Fachleute“ von früher sichert.
Auch meine Hauptfigur, der Hauptkommissar Peter Goldstein, hat den Wechsel von einer Diktatur zu einer Demokratie bruchlos überstanden. Sein Vorgesetzter ist immer noch derselbe, die meisten seiner Kollegen haben den Krieg ebenfalls überlebt. Goldstein dient nach seiner Auffassung immer noch dem abstrakten Recht, nicht einem politischen System. Und meint, dass es an der Zeit wäre, die Nazizeit endlich zu vergessen und nach vorne zu schauen. Wie so viele damals. Und erst recht heute.

Persilschein wurden im Volksmund spöttisch die Eidesstattlichen Versicherungen genannt, die sich Belastete in den Entnazifizierungsverfahren häufig gegenseitig ausstellten. Da keiner so ganz genau hinsehen wollte, wurden auch zahllose, überzeugte Nationalsozialisten als “unbelastet“ bewertet.
Der Begriff „Persilschein“ stammt ursprünglich aus dem Militärjargon. Rekruten mussten bei ihrer Gestellung Kartons zur Zurücksendung ihrer Zivilkleidung mit in die Kaserne nehmen. Häufig wurden dafür solche mit dem Werbeaufdruck des Waschmittels benutzt. Aus dem Gestellungsbefehl wurde so der „Persilschein“.
In der Nachkriegszeit wurde der Begriff anders interpretiert. Frei nach einem Werbespruch des Produzenten dichtet der Volksmund sinngemäß: „Persil wäscht auch Braunes wieder Weiß.“ Und bezog das auf die gegenseitigen Versicherungen, kein Nazi, sondern nur ein unbescholtener Mitläufer gewesen zu sein.

Es war spannen für mich, meinen Hauptkommissar durch die Geschichte zu begleiten. Ich habe dabei viel gelernt. Und bin über eine Person gestolpert, die ich Ihnen in einiger Zeit in Form eines halbdokumentarischen, historischen Romans vorstellen werden. Davor liegen aber noch ein, zwei andere Projekte, die es zu erledigen gilt.

Persilschein erschien im Herbst 2011 bei Grafit

Pressematerial 

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Pressestimmen

Jan Zweyer zeigt die Schatten der Vergangenheit

Auch der Peter Goldstein des Jahres 1950 kommt im letzten Band nicht in Schwarz-Weiß daher, sondern in jenem diffusen, realistischen Grau. Dafür sind die Nebenfiguren in einfachen Kontrasten gezeichnet – in der Mehrheit Altnazis und Profiteure des NS-Regimes, die schon wieder neue Geschäfte machen, mit dem US-Geheimdienst nach Südamerika fliehen oder gar im Kanzleramt sitzen. Es hagelt Tote, das Recht bleibt mit einer gewissen Zwangsläufigkeit auf der Strecke (...) Insgesamt aber bleibt diese Trilogie ein starkes böses Stück Heimatgeschichte. (Jens Dirksen) WAZ Wochenende, 14.10.2011

Lesenswerte, spannende Krimi-Unterhaltung vor einem gut recherchierten historischen Hintergrund. Eine Ruhrgebietsgeschichte voller Ruhrgebietsgeschichte.

Reinhard Jahn, Krimiblog, 30.10.2011

In dem historischen Kriminalroman (...) erzählt der Herner Autor Jan Zweyer packend einen Fall aus den Anfangstagen der Bundesrepublik. Mit gelungen eingefangenem Zeitkolorit macht Zweyer jene Epoche zwischen Trümmerresten, Sehnsucht nach Neuanfang, drückenden Altlasten und Rückkehr des sonntäglichen Schweinebratens wieder lebendig. Er zeigt fehlbare Menschen in ihrer Zeit und kommt dabei ganz ohne moralischen Zeigefinger aus; und nebenher erfahren wir, dass die legendäre Fluchtroute für Naziverbrecher – die Rattenlinie – manchmal schon in Herne begann. Udo Feist, WDR 4, 1.11.2011

(...) Und das ist die bittere Erkenntnis, die Jan Zweyer so beiläufig wie nachdrücklich hervorruft. Seine schlichte, doch ungemein effektive Sprache und Erzählweise stellt den etwas tumben Peter Goldstein in den Mittelpunkt der Erzählung, lässt so die offizielle Geschichtswahrnehmung Figur werden. Wie jene unbedarfte und gleichzeitig perfide Einschätzung, dass es ganz ohne die alten und vorgeblich ehemaligen Nazis nicht gelingen würde, Westdeutschland erfolgreich aufzubauen. Gleichzeitig berichtet der Erzähler Zweyer von der Hilflosigkeit und Verlogenheit dieser Position. Goldstein müsste klüger sein und mehr riskieren, um der Wahrheit und der Gerechtigkeit zum Etappensieg zu verhelfen. Doch er bleibt ein Spielstein, bewegt von Spielern, die er nicht versteht, gefangen auf einem Spielbrett, dessen Muster er nicht kennt. Nicht erkennen will. Und damit zum Stellvertreter für einen Großteil der deutschen Gesellschaft in den Gründerjahren der Republik wird.(...) Ein aktueller Roman, in einer für Krimis eigentlich prädestinierten, aber wenig behandelten Epoche spielend. Ein passendes Finale für Jan Zweyers bemerkenswerte »Ruhrgebiets-Trilogie«.

Jochen König, Krimi-Couch, Februar 2012